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Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software

Creative Commons eröffnet öffentliche Diskussion zu Lizenzversion 4.0

Von: John Hendrik Weitzmann
 
Im kommenden Jahr wird es eine neue Version der Creative Commons Public Licenses (CCPL), also der sechs Creative-Commons-Kernlizenzen geben (siehe Blog-Post auf creativecommons.org). Damit soll auf die Veränderungen des Netzes und seiner Protagonisten gegenüber dem Jahr 2007 reagiert werden, dem Geburtsjahr der aktuellen Version 3.0. Der Zeitabstand zwischen den Versionen hat sich jeweils rund verdoppelt. Mit der kommenden Version 4.0 versucht Creative Commons, einen Standard zu schaffen, der für eine Dekade oder länger tauglich sein soll – in der Zeitrechnung des Internet eine Ewigkeit.

 
Noch mehr wisdom of the crowd noch früher

Anders als bei allen vorherigen Versionierungen steht kein im kleinen Kreise geschriebener Entwurf am Anfang des Prozesses, sondern die offene und öffentliche Diskussion, die beim CC Global Summit im September in Warschau bereits angelaufen ist. Erst daraus wird Ende Februar 2012 der erste Entwurf entstehen, der dann noch einmal zur öffentlichen Überprüfung ins Netz gestellt werden wird. In der ersten Phase sollen vor allem Wünsche und Vorschläge gesammelt werden, was die Version 4.0 leisten oder anders angehen soll als die 3.0.

Die Diskussion dazu wird auf drei verschiedenen Kanälen ablaufen, vor allem über die Mailingliste cc-licenses@lists.ibiblio.org, aber auch im CC Wiki und dort noch einmal gesondert in Form einer Sand Box. Die Sand Box hat bereits die grobe Struktur einer CC-Lizenz und soll es ermöglichen, an dieser Struktur entlang Vorschläge zu sammeln, wie die Version 4.0 am besten aufgebaut und formuliert sein sollte.

Neuer Umgang mit Open Data? Feintuning bei kommerziell versus nicht-kommerziell?

Inhaltlich steht tatsächlich alles zur Diskussion. Sogar eine sprachliche Komplettüberholung in Richtung besserer Verständlichkeit des für Juristen gedachten rechtsverbindlichen Lizenztextes ist im Gespräch. Dass hier vieles möglich ist, hat das australische CC-Projekt bei der Portierung der Version 3.0 gezeigt.

Ein Hauptantrieb, überhaupt in die Versionierung einzusteigen, ist jedoch die rasant steigende Wichtigkeit von Open-Data-Initiativen. Gerade die europäischen Hüter großer Datenbestände tun sich oft schwer mit der Art und Weise, wie die CCPL 3.0 mit dem Sui-Generis-Datenbankenrecht umgeht. Dies hat schon wiederholt verhindert, dass Datenbestände freigegeben wurden, bzw. hat zu Insellösungen mit lediglich an den CCPL orientierten aber rechtlich nicht kompatiblen Lizenzen geführt.

Auch sonst ist die Kompatibilität verschiedener Lizenzsysteme untereinander eines der Top-Themen rund um 4.0. Oft steht und fällt die Kombinierbarkeit von Content im Netz mit der Frage, ob es um eine kommerzielle oder eine nicht-kommerzielle Nutzung geht. Hier enthalten die bisherigen Versionen der CC-Lizenzen eine Definition, die vielen zu ungenau ist. Ob es bei Version 4.0 eine Präzisierung geben wird, ist offen. Sowohl dafür als auch dagegen gibt es gute Argumente.

Mitmachen ist die Mühe wert

Noch nie war die Konstruktionsarbeit bei Creative Commons so partizipativ angelegt wie jetzt. Wer also Ideen oder auch nur vage Vorstellungen hat, was man an den CCPL wie und wofür verbessern könnte, sollte das jetzt in die Diskussion einbringen. Die CCPL 4.0 wird dadurch noch einmal besser sein und für noch mehr kreative Bewegung im Netz sorgen, von der letztlich alle etwas haben. Bis Ende Februar 2012 kann jede/r an den Grundfesten der zukünftigen CCPL mitarbeiten.