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Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software

Creative Commons errichtet Abteilung zur Harmonisierung von Open Content-Lizenzen im Bildungsbereich

Von Benjamin Roger
 
Creative Commons (CC), einer der Vorreiter der Open Content-Bewegung, hat unlängst die Gründung einer eigenen Abteilung für den Bildungssektor bekannt gegeben, provisorisch "CC Learn" genannt. Eine ihrer Hauptaufgaben wird die Herstellung von Interoperabilität zwischen verschiedenen Open Content-Ressourcen sein, was insbesondere die Beseitigung von Kompatibilitätsproblemen zwischen den unterschiedlichen verwendeten Lizenzen einschließt. Diese können derzeit die Verbindung von verschiedenen Inhalten zu einem neuen - abgeleiteten - Werk verhindern.

Hintergrund:

Gerade im Bereich der Bildung gewinnen offene Inhalte zunehmend an Bedeutung (vgl. etwa hier für Beispiele im US-amerikanischen Raum). Dabei werden verschiedene, untereinander häufig inkompatible Lizenzen verwendet. Zunächst ist freilich zu beachten, dass manche Inkompatibilität durchaus gewollt ist und nicht behoben werden kann: so verbietet etwa die CC Attribution-No Derivative Works-Lizenz jegliche Bearbeitung eines Werks, beabsichtigt also auch, dass dieses nicht mit anderen kombiniert werden kann. Dass jedoch zahlreiche nicht intentionale Inkompatibilitäten dem Grundgedanken des Open Content zuwider laufen, hatte Rechtsprofessor und Creative Commons-Chef Lawrence Lessig bereits Ende 2005 in einem Blog-Eintrag beklagt. Die Open Content-Lizenzen könnten, entgegen ihrem Ziel, den Austausch von Informationen zu befördern, diesen vielmehr verhindern. Zur Veranschaulichung führt er aus, dass es etwa nicht möglich sei, Inhalte von Wikipedia, die unter der GNU Free Documentation License (FDL) stehen, mit solchen zu mischen, die der CC-Attribution-ShareAlike-Lizenz unterfallen. Dementsprechend kündigte er für 2006 die Einsetzung einer Kommission zur Behebung der Kompatibilitätsprobleme an, die jedoch bis heute ausgeblieben ist.

Nun also soll - für den Bildungsbereich - eine dazu eigens ins Leben gerufene Abteilung (vgl. zum Ganzen diesen Artikel auf eschoolnews.com) von Creative Commons in diesem Sommer ihre Arbeit aufnehmen. Dabei ist das Ziel nicht die Durchsetzung einer einheitlichen Lizenz, sondern vielmehr die Schaffung eines gemeinsamen "Frameworks", in welches die verschiedenen Lizenzen eingebunden werden können. Eine Möglichkeit dazu skizzierte Lessig in dem bereits zitierten Blog-Eintrag: die Lizenztexte könnten unter eines der bestehenden "Commons Deeds" subsumiert werden. Diese "Deeds" erläutern in allgemeinverständlicher Sprache die Rechte und Pflichten aus der Lizenz. Damit wäre auch einem zweiten erklärten Ziel gedient, namentlich der Verständlichkeit der Lizenz für den Nutzer: wenn die Referenz, das verbindende Element, in der nicht-technischen Formulierung besteht, können die maßgeblichen Lizenzbedingungen einfach und verständlich vermittelt werden.

Freilich bleibt abzuwarten, wie sich dieses Vorhaben im Einzelnen wird realisieren lassen; insbesondere werden die einzelnen Lizenzen angepasst werden müssen. Grundsätzlich scheint für ein solches Projekt Bereitschaft zu bestehen, so hatte etwa auch Eben Moglen, Rechtsprofessor und Gründer des Software Freedom Law Centers sich bereits für die Schaffung eines gemeinsamen "Frameworks" ausgesprochen. Jedenfalls könnte mit "CC Learn" eine entscheidende institutionelle Grundlage für eine Harmonisierung der Open Content-Lizenzen - zunächst im Teilbereich der Bildungsinhalte - geschaffen worden sein.