try another color:
try another fontsize: 60% 70% 80% 90%
Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software

Mitautor der GPL Version 3 arbeitet an GPL-Fork - ohne die FSF

von Prof. Dr. Axel Metzger
 
Richard Fontana, einer der an der Erstellung der GPLv3 maßgeblich beteiligten Juristen und heute in den Diensten von Red Hat, hat ein Projekt zur Erarbeitung einer verbesserten GPL gestartet. Das Projekt "GPL.next" möchte in einem offenen Prozess eine verbesserte strenge Copyleft-Lizenz erarbeiten. Das Projekt findet ohne Mitwirkung der Free Software Foundation statt. Es ist offenbar auch nicht das Ziel des Projekts, eine offizielle neue Version der GPL vorzubereiten, sondern eine andere Lizenz zu erarbeiten, die auf der GPL basiert. Es darf mit Spannung erwartet werden, ob Fontana genügend kompetente Mitstreiter finden wird, um die vielfach geäußerte Kritik an der Komplexität der GPLv3 nun in einem neuen Lizenzmodell auszuräumen. Bisher handelt es sich um ein privat betriebenes Projekt, in das auch Red Hat nicht involviert ist.

Von Interesse ist die rechtliche Grundlage, auf der GPL.next aufsetzt: Gemäß den FAQ der FSF zur GPL ist es gestattet, GPL-Bestimmungen in anderen Lizenzen zu verwenden, solange der Name GNU nicht verwendet wird und die Präambel der GPL nicht übernommen wird. Fontana zieht hieraus den Schluss, dass ein Projekt ohne Weiteres auch GPL.next heißen könne, da das "G" für "general" stehe. Sollte es Proteste seitens der FSF geben, sei er aber bereit, den Namen zu ändern. Die von GPL.next erarbeitete Lizenz soll mit der GPLv3 kompatibel sein. Erste Änderungsvorschläge liegen bereits vor, etwa die Rückkehr zum Begriff "distribute" anstatt der Begriffe "convey" und "propagate" oder die Streichung von Ziffer 7 f), der die Kompatibilität mit der Apache License herstellen soll. Auch wenn nicht erwartet werden kann, dass GPL.next den geeigneten Rahmen bietet, um die Probleme im Umgang mit der GPLv3 und die nach wie vor unbefriedigende Akzeptanz der Lizenz in der Community, insbesondere bei den Kernel-Entwicklern, zu lösen, so ist es doch ein interessantes Signal, dass wieder Bewegung in die Diskussion um die zukünftige Gestaltung der Lizenz kommen könnte. Immerhin ist die GPLv3 mittlerweile fünf Jahre auf dem Markt. Und vielleicht werden im Rahmen von GPL.next erste Bausteine und Lösungen gefunden, die bei einer späteren offiziellen Überarbeitung der Lizenz Verwendung finden. Dass die GPL erneut überarbeitet werden sollte, ist jedenfalls kaum zu bestreiten.