try another color:
try another fontsize: 60% 70% 80% 90%
Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software

Encyclopedia of Life gelauncht

Von Dr. Till Jaeger
 
Das Wissenschaftsprojekt Encyclopedia of Life (EOL) hat am 27. Februar 2008 die ersten 30.000 Artikel veröffentlicht. Ziel des von den US-Stiftungen John D. and Catherine T. MacArthur Foundation und Alfred P. Sloan Foundation mit 12.5 Mill US-$ unterstützen Projektes ist es, sämtliche Lebenformen der Erde in einem Online-Nachschlagewerk zu präsentieren. Die Wissenschaftsartikel sind überwiegend unter Creative Commons-Lizenzen frei nutzbar. Die EOL ist bereits jetzt eine gewaltige Wissensdatenbank im Bereich Biologie.

Hintergrund:

Die Möglichkeiten von freien Lizenzen und den Techniken des Web 2.0 werden nicht nur von "Grassroots-Bewegungen" genutzt, sondern auch von der Wissenschaftswelt. Havard-Professor Edward O. Wilson initiierte die Idee, ein Nachschlagewerk zu schaffen, das alle Tier- und Pflanzenarten umfasst. Artikel zu den geschätzten 1.8 Mill. Spezien soll innerhalb von zehn Jahren entstehen. Während der erste Datenbestand aus der Wissenschaft stammt und überprüfte Artikel umfasst, soll in naher Zukunft für jedermann die Möglichkeit bestehen, Artikel beizutragen, wie man dies etwa von der Enzyklopädie Wikipedia kennt. Allerdings werden Änderungen nicht anonym eingestellt werden können, sondern es die Pflege der Artikel durch freiwillige Kuratoren geplant, die die Beiträge (Fotos, Texte, Videos) dann in geprüfte Versionen einstellen können.

Unterstützt wird die EOL durch namhafte US-amerikanische Institutionen, darunter die Harvard University, die Smithsonian Institution, das Field Museum of Natural History, das Marine Biological Laboratory, das Biodiversity Heritage Library consortium und der Missouri Botanical Garden. Technische Unterstützung erfolgt durch Adobe, Microsoft und die Wikimedia Foundation. Geplant sind weitere Sprachversionen.

Die EOL besitzt - anders etwas als die Wikipedia - eine ausgeprägte organisatorische Struktur. Unter anderem bestehen eine Reihe von Arbeitsgruppen, die die anfallenden Aufgaben erfüllen. So wird die "Species Sites Group" die Kuratoren für die einzelnen Artikel auswählen und die Qualität der authentifizierten Versionen sicherstellen. Zudem ist diese Arbeitsgruppe dafür verantwortlich, den "Open Access" durch ein eigenes Rechte-Regime zu gewährleisten. Die Biodiversity Informatics Group ist für die technischen Aspekte zuständig. Insbesondere soll die automatisierte Einbeziehung von bestehenden Informationsmaterialen ermöglicht werden. Von urheberrechtlichem Interesse wird insbesondere auch die Arbeit der "Scanning and Digitization Group" sein, die bestehende Literatur digitalisieren und frei zugänglich machen soll. Die EOL ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Nachschlagewerke zunehmend im Wege des Open Access entwickelt und genutzt werden. Auch eine Reihe von deutschen Texten sind bereits gescannt über die Biodiversity Heritage Library zugänglich, wie etwa das Beispiel des Artikels über den Ginko-Baum zeigt, bei dem sich Texte des "Biologischen Zentralblattes" oder der "Botanische Jahrbucher fur Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie" finden. Eine Presseerklärung der EOL liefert weitere Informationen über das Projekt.