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Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software

WIZARDS OF OS 2: Freie Content-Lizenzen

Von Olaf Koglin
 
Auf der WOS2 hat sich das ifrOSS - wie angekündigt - intensiv mit freien Content-Lizenzen auseinandergesetzt. Auf der Grundlage der Beiträge in der Mailingliste, dem Workshop "Free Content Licenses" und dem Panel Open Music diskutierten im abschließenden Panel unter der Moderation von Detlef Borchers der Maintainer des OpenMusic-Projekts vom Linuxtag, Michael Kleinhenz, Andreas Lange vom Computerspielemuseum und ifrOSS-Mitarbeiter Olaf Koglin.

Tenor ist, dass die Zukunft weniger in einer ganz allgemeinen Content-Lizenz als in einer "Lizenz-Familie" liegen dürfte, die für verschiedene Arten von Texten, Musik, etc. spezielle und untereinander kompatible Lizenzen enthält.
Bei Texten gibt es schon seit geraumer Zeit Vermerke wie "Nachdruck gestattet". Für das Erlauben der Vervielfältigung und Verbreitung reicht solch ein lapidarer Hinweis; für viele Rechteinhaber erscheint es müßig, sich zusätzlich mit komplizierten Lizenzen auseinander zu setzen. Die Freigabe zu Bearbeitungen hingegen erteilen Autoren nur ungern, da häufig eine besonders persönliche Beziehung zu dem Text und Sorge vor Entstellung besteht. Auch bei anderen Werkarten, insbesondere Musik, herrscht große Skepsis gegenüber einer Bearbeitung. Dies hängt damit zusammen, dass bei künstlerischen Werken die individuelle Gestaltung des Werkes im Vordergrund steht, während Software vornehmlich eine technische Problemlösung darstellt. Bei einem Programm lässt sich daher ohne ernsthaften Zweifel bewerten, ob es durch eine Bearbeitung verbessert oder verschlechtert wurde - wenn es an einer bestimmten Stelle nicht mehr abstürzt oder schneller läuft, ist es besser geworden. Bei künstlerischen Werken lässt sich eine so eindeutige Bewertung nicht vornehmen. Je stärker der künstlerische Akzent ausschlaggebend dafür ist, wann ein Werk "perfekt" ist, desto größer ist häufig die Ablehnung gegenüber einem Bearbeitungsrecht. Diesen Sorgen der Künstler kann entgegengetreten werden, in dem sie aus einem Bündel von Lizenzen, die verschieden viele Freiheiten gewähren, die zu ihrem Werk passende wählen können. Die auf dem Linuxtag 2001 erarbeiteten OpenMusic-Lizenzen gehen diesen Weg, in dem es die OpenMusic-License in Green, Yellow und Red sowie in der Baukastenvariante Rainbow gibt. Allerdings muss sie sich die Kritik gefallen lassen, dass die rote Variante, die Vervielfältigungen nur zu privaten Zwecken und das Verbreiten von Bearbeitungen ganz verbietet, kaum noch etwas mit "Free" oder "Open" zu tun hat.
Die GEMA-Zugehörigkeit führt bei Musik zu weiteren Schwierigkeiten. Denn Künstler, die Mitglieder der GEMA sind, erteilen dieser ausschließliche Nutzungsrechte an allen ihren Songs. Folglich können sie ihre eigene Musik nicht mehr unter weitere Lizenzen stellen. Außerdem besteht seitens der Musiker teilweise eine gewisse Missgunst, andere mit ihrer Musik Geld verdienen zu lassen.

Schließlich ist der Weg spezieller Lizenzen auch der, den die GPL eingeschlagen hat: Einer ganz speziell auf Software ausgerichteten Lizenz. Parallel dazu hat die Free Software Foundation für andere Freiheitsgrade bzw. andere Werkarten die LGPL, die Free Documentation License und auf ihren Webseiten den einfachen Vermerk: "Verbatim copying and distribution of this entire article is permitted in any medium, provided this notice is preserved.", also ein nur leicht erweitertes "Nachdruck gestattet".

Weitere Informationen zu Wizards of OS 2 und den einzelnen Veranstaltungen finden Sie unter www.wizards-of-os.org.